Land Baden-Württemberg fördert Ausbau des ZKP mit zwei Millionen Euro: Neue Unterstützungsangebote für nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktion im Mittelstand
Nachhaltigkeitsdaten, CO2-Bilanzen, digitale Produktinformationen: Für viele mittelständische Unternehmen werden diese Themen zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch neue europäische Vorgaben und Berichtspflichten. Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg hat deshalb die Erweiterung des S-TEC Zentrums für Klimaneutrale Produktion und Ganzheitliche Bilanzierung (ZKP) mit rund zwei Millionen Euro bewilligt. Das Land reagiert damit auf den wachsenden Bedarf mittelständischer Unternehmen, Nachhaltigkeitsanforderungen erfolgreich umzusetzen und daraus konkrete Wettbewerbs-, Innovations-
Seit seiner Gründung 2022 hat das ZKP mehr als 150 Transferprojekte mit Unternehmen aus Baden-Württemberg abgeschlossen. Betriebe bringen konkrete Herausforderungen ein, Forschende entwickeln gemeinsam mit ihnen einfach umsetzbare Lösungen. Der Bedarf ist seither gewachsen. Mit neuen europäischen Vorgaben wie der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR), dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) und den Berichtspflichten der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) stehen auch mittelständische Unternehmen vor neuen Anforderungen. Vielen Betrieben fehlen jedoch die notwendigen Werkzeuge, Datenstrukturen und personellen Kapazitäten, um diese effizient umzusetzen. Gleichzeitig werden belastbare Nachhaltigkeitsdaten, digitale Prozesse und transparente Wertschöpfungsketten zunehmend zu entscheidenden Faktoren für Wettbewerbsfähigkeit, Marktchancen
»Klimaneutrale Produktion und wirtschaftlicher Erfolg gehen Hand in Hand. Damit der Strukturwandel gelingt, müssen die europäischen Vorgaben für Unternehmen praktikabel bleiben. Gerade kleine und mittlere Unternehmen dürfen durch zusätzliche Bürokratie nicht noch weiter belastet werden. Mit dem Ausbau des Zentrums für Klimaneutrale Produktion unterstützen wir sie dabei, regulatorische Anforderungen effizient zu bewältigen, Innovationen voranzutreiben und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken. Denn der Mittelstand ist das Rückgrat unserer baden-württembergischen Wirtschaft«, sagt Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg. Zu den fünf bestehenden inhaltlichen Schwerpunkten des ZKP werden daher im Zuge der Erweiterung entlang der Unternehmensbedarfe zwei weitere Angebotsbereiche etabliert.
Nachhaltigkeitsvorgaben systematisch umsetzen Der erste neue Angebotsbereich adressiert den administrativen Aufwand durch Nachhaltigkeitsvorgaben. In der Praxis scheitert die Umsetzung häufig nicht am fehlenden Willen, sondern an der Unübersichtlichkeit: Welche Vorgaben gelten konkret für das eigene Unternehmen? Was hat Priorität? Wie lassen sich notwendige Aufgaben in bestehende Abläufe integrieren? Das ZKP will künftig helfen, diese Fragen strukturiert zu beantworten und wiederkehrende Prozesse, etwa bei der Berichterstellung oder Datenpflege, zu automatisieren. Ziel ist es, Unternehmen von administrativem Aufwand
Einsparpotenziale, die im Alltag unsichtbar bleiben Der zweite neue Bereich ist der sogenannte Ultraeffizienznavigator. Das Konzept betrachtet Energie-, Material- und Emissionsströme nicht isoliert, sondern als Teil eines Gesamtsystems und berücksichtigt dabei auch organisatorische und personelle Faktoren. Dadurch lassen sich bislang verborgene Effizienzpotenziale identifizieren, die im Zusammenspiel einzelner Prozesse entstehen und im Betriebsalltag häufig verborgen bleiben. So können beispielsweise unnötige Energieverluste zwischen Produktionsschritten oder Materialverluste entlang einer Fertigungslinie sichtbar werden.
»Viele Unternehmen verfügen heute über die technischen Möglichkeiten, ihren Energie- und Ressourcenverbrauch zu senken«, sagt Dr. Daniel Wehner, Leiter des ZKP am Fraunhofer IBP. »Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Daten, Prozesse und Vorgaben so zusammenzubringen, dass daraus konkrete Entscheidungen möglich werden. Wer diese Informationen strategisch nutzt, kann nicht nur nachhaltiger wirtschaften, sondern auch Produktivität steigern, Investitionen zielgerichteter steuern und langfristige Wettbewerbsvorteile aufbauen. Genau an dieser Schnittstelle setzen wir an.« Das Angebot reicht von einer ersten Standortbestimmung bis zur Entwicklung konkreter Maßnahmen.
Fünf starke Partner, ein gemeinsamer Rahmen Bislang trugen das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA sowie die Universität Stuttgart das ZKP. Mit der Erweiterung kommen das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB dauerhaft hinzu. Das Zentrum ist Teil des Stuttgarter Technologie- und Innovationscampus S-TEC.
Damit erweitert sich das Kompetenzspektrum: Technologische, organisatorische und regulatorische Fragestellungen lassen sich künftig gemeinsam bearbeiten. Das ist kein formaler Zuwachs. »Viele Transformationsvorhaben scheitern nicht an fehlender Technik, sondern daran, dass technische Lösungen nicht in bestehende Betriebsstrukturen
Mit den beiden neuen Angebotsbereichen unterstützt das ZKP Unternehmen dabei, die Transformation zu einer nachhaltigen und zugleich wettbewerbsfähigen Wirtschaft aktiv zu gestalten und daraus konkrete Mehrwerte für ihre Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Die ersten Projekte, vom Land Baden-Württemberg geförderte Quick Checks und Exploring Projects, sollen im Oktober 2026 starten. Bewerbungen sind bereits möglich. Mehr unter: s.fhg.de/s-tec-zkp.
Die Fraunhofer-Gesellschaft mit Sitz in Deutschland ist eine der führenden Organisationen für anwendungsorientierte Forschung. Im Innovationsprozess spielt sie eine zentrale Rolle – mit Forschungsschwerpunkten in zukunftsrelevanten Schlüsseltechnologien und dem Transfer von Forschungsergebnissen in die Industrie zur Stärkung unseres Wirtschaftsstandorts und zum Wohle unserer Gesellschaft. Seit ihrer Gründung als gemeinnütziger Verein im Jahr 1949 nimmt sie eine einzigartige Position im Wissenschafts- und Innovationssystem ein. Knapp 32 000 Mitarbeitende an 75 Instituten und selbstständigen Forschungseinrichtungen in Deutschland erarbeiten das jährliche Finanzvolumen von 3,6 Mrd. €. Davon entfallen 3,1 Mrd. € auf das zentrale Geschäftsmodell von Fraunhofer, die Vertragsforschung. Im Vergleich zu anderen öffentlichen Forschungseinrichtungen bildet die Grundfinanzierung durch Bund und Länder lediglich das Fundament des jährlichen Forschungshaushalts. Sie ist die Basis für wegweisende Vorlaufforschung, die in den kommenden Jahren für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutend wird. Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal ist der hohe Anteil an Wirtschaftserträgen, der Garant ist für die enge Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Industrie und die stetige Marktorientierung der Fraunhofer-Forschung: 2024 beliefen sich die Wirtschaftserträge auf 867 Mio. € des laufenden Haushalts. Ergänzt wird das Forschungsportfolio durch im Wettbewerb eingeworbene öffentliche Projektmittel, wobei eine ausgewogene Balance zwischen öffentlichen und wirtschaftlichen Erträgen angestrebt wird.
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